Die Geschichte der Demokratischen Bildung

Vorreiter

Leo Tolstoi gründete 1849 im Alter von 21 Jahren die erste demokratische Bauernschule auf seinem Gut, Jasnaja Poljana südlich von Moskau, die jedoch keine zwei Jahre nach ihrer Eröffnung aus finanziellen Gründen wieder schließen musste. Im Jahre 1859 gründete und leitete er auf seinem Gut erneut eine demokratische Bauernschule. Zwischen 1859 und 1862 kam es zur Gründung weiterer 20 dieser Schulen. 1862 wurden seine Schulen durch die Staatsgewalt geschlossen.

Alle Wissenschaften und Künste, die ganze Bildung ist schön, nur dürfte niemand, kein Einziger um des Erwerbs ihrer Früchte willen zertreten, gekränkt oder seines Lebens und Glücks beraubt werden. Unsere gesamte Bildung aber ruht auf den Leichen zertretener Menschen.
— Leo Tolstoi

Summerhill

1921 gründete der Pädagoge A. S. Neill die Demokratische Schule Summerhill in Leiston, England. Sie wurde in einer Zeit gegründet, als die Rechte der Menschen, insbesondere die der Kinder, wenig respektiert wurden. Die meisten Kinder mussten damals sogar noch mit körperlicher Züchtigung, Zuhause und in der Schule, aufwachsen. Seitdem kämpft die Schule für das Recht der Selbstbestimmung ihrer Schüler.
Die Summerhill Schule ist eine sehr erfolgreiche demokratische Gemeinschaft, die zeigt, dass Kinder sehr tolerant, selbstsicher und rücksichtsvoll werden, wenn man ihnen den Raum dafür gibt, sie selbst zu sein. Sie ist heute eine der berühmtesten demokratischen Schulen weltweit mit ~75 Schülern, zwischen 5 und 17 Jahren.  

The function of a child is to live his/her own life, not the life that his/her anxious parents think he/she should live, nor a life according to the purpose of the educators who thinks they knows best
— A.S. Neill

Sudbury Valley School

In ihrem Konzept am weitgehendsten ist die 1968 gegründete Sudbury Valley School in Framingham (Massachusetts, USA). Mittlerweile gibt es mehr als 40 Sudbury-Schulen, von denen sich die meisten in den USA befinden.

Weltweit gibt es circa 200 Demokratische Schulen. Die meisten Demokratischen Schulen findet man in den USA, Israel und Frankreich.

Die größten demokratischen schulen

Die 734. Moskauer Schule "Schule der Selbstbestimmung", 1970 gegründet, gilt mit ihren 600 Schülern als die größte Demokratische Schule weltweit.

Die „Democratic School of Hadera“ in Israel hat ~400 Schüler im Alter von vier bis 18 Jahren und wurde 1987 gegründet.

Als drittgrößte Schule gilt die Demokratische Schule in Kfar Saba (Israel) mit mehr als 400 Schülern. In Israel gehören einige Demokratische Schulen sogar dem staatlichen Schulsystem an. Die meisten Demokratischen Schulen haben jedoch erheblich weniger Schüler.

Communities

Seit 1993 findet jährlich die International Democratic Education Conference (IDEC) statt. Diese internationale Konferenz zum Thema Demokratische Bildung wird jedes Jahr in einem anderen Land von einer Demokratischen Schule oder Organisation aus dem Bereich Demokratische Bildung ausgerichtet. Teilnehmer der IDEC sind Mitarbeiter und Schüler Demokratischer Schulen, Vertreter von Organisationen, Forscher, Autoren sowie Interessierte. Die IDEC verfolgt das Ziel den bestehen Schulen eine Plattform zu bieten, auf der sie sich austauschen und unterstützen können. Ebenso fördert die IDEC damit die Öffentlichkeitsarbeit, um Demokratische Bildung bekannt zu machen. Dieses Jahr findet die IDEC zusammen mit der APDEC und der INDEC in Indien statt (IDEC/APDEC INDIA 2018).

Seit 2008 gibt es die European Democratic Education Community (EUDEC), ein gemeinnütziger Verein, der die Verbreitung demokratischer Bildung in Europa voranbringen möchte.