Häufig gestellte Fragen

 

Die Entscheidung für eine Demokratische Schule muss wohl überlegt sein, denn sie erfordert von Eltern und Schülern ein großes Maß an Vertrauen in das Schulkonzept. Ein alternativer Lernansatz wirft naturgemäß einige Fragen auf, da die meisten von uns in diesem Bereich nicht aus persönlicher Erfahrung sprechen können.

Wir haben die häufigsten Fragen für Euch gesammelt und aus unserer Sicht erläutert, um bereits einige Unsicherheiten im Vorfeld aus dem Weg zu räumen.


1. Was ist eine Demokratische Schule?

Demokratische Schulen gehören zur Gruppe alternativer Schulformen.
In dem Konzept Demokratischer Schulen steht die Individualität eines jeden Kindes im Schulalltag im Mittelpunkt. Demokratische Schulen sind weltweit verbreitet und auch in Deutschland gibt es sie seit über 20 Jahren. Konzeptuelle Kernelemente sind:

  • Selbstbestimmtes Lernen (Zeiteinteilung, Raum- und Materialnutzung sowie Lerninhalte und Lernpartner sind frei gestaltbar)

  • Bewertungsfreiheit (keine Leistungserfassung und Benotung)

  • Mitbestimmung (wichtige Entscheidungen werden gemeinsam in der Schulversammlung beschlossen)

  • Altersmischung (altersübergreifendes Miteinander)


2. Ist eine Demokratische Schule für alle Kinder geeignet?

Hier spalten sich die Meinungen. An einer Demokratischen Schule haben die Kinder ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Es gibt sicherlich Kinder die zu Beginn damit überfordert sind. Vor allem Kinder die von einer Regelschule kommen, haben anfangs ggf. Schwierigkeiten an einer Demokratischen Schule und brauchen Zeit mit der Freiheit die ihnen plötzlich eingeräumt wird zurecht zu kommen. Diese Zeit muss man ihnen geben.
Eine sehr große Rolle bei der Beantwortung dieser Frage spielt das Elternhaus. Wird dem Kind nicht genug Vertrauen entgegengebracht, oder bauen die Eltern Druck auf, aus Angst, dass Kind könnte nicht genug lernen, so kann es passieren, dass das Kind sich nicht mehr wohl fühlt und ein innerer Konflikt entsteht.


3. Was ist mit Kindern mit Behinderungen?

Auch verhaltensoriginelle Kinder sollen Teil unserer Gemeinschaft sein. Für uns ist es wichtig, dass jeder Mensch an unserer Schule so sein kann und darf wie er ist, solange er die Grenzen anderer respektiert. In unserer Schulgemeinschaft ist jeder Mensch von gleichem Wert.
Sollte eine gesonderte Betreuung aufgrund schwerer Verhaltensoriginalität erforderlich sein, werden wir auch hier eine Lösung finden.


4. Was kostet die Schule?

Da unsere Schule leider nicht staatlich anerkannt ist, müssen wir Schulgeld verlangen. Die Höhe des Schulgeldes wird nach einem solidarisch-kompensatorischen System bemessen. Dass heißt, jede Familie zahlt einen Betrag, der im Bereich des Möglichen ist. Reicht der Betrag nicht aus, um den Finanzbedarf der Schule zu decken, wird gemeinschaftlich eine Lösung gefunden. Voraussichtlich wird das Schulgeld anfangs zwischen 200 € und 250 € betragen. Jedoch liegt uns noch keine Kalkulation der Kosten vor, somit kann die Höhe des Betrages auch noch variieren.


5. Wie sind die Öffnungszeiten/ Betreuungszeiten?

Es wird wohl eine Kernzeit an unserer Schule geben. Diese ist voraussichtlich von 9 Uhr bis 13 Uhr. Die Schule ist geöffnet von 8 Uhr bis 16 Uhr. Während dieser Zeit sind ständig Betreuungspersonen anwesend.  


6. Können Kinder mit der Freiheit umgehen, die sie an einer Demokratischen Schule
haben, oder fühlen sie sich damit überfordert?

Kinder und Jugendliche sind nicht völlig sich selbst überlassen, sondern können sich auch an den anderen Schülern und Erwachsenen orientieren oder an bestehenden Kursen teilnehmen. Zudem stehen den Schülern auch Mentoren zur Verfügung, die ihre Lernprozesse individuell begleiten.
Die Basis für Lernprozesse ist die natürliche Fähigkeit, Anregungen selbstbestimmt anzunehmen, um sie zu modifizieren oder zu verwerfen. Bei der Selbstbestimmung von Lerninhalten kann also nicht von einer Überforderung die Rede sein, sondern vielmehr von einer natürlichen Voraussetzung für das Lernen.


7. Welche Schulabschlüsse sind auf einer Demokratischen Schule möglich?

An der Demokratischen Schule selbst, kann kein Schulabschluss abgelegt werden. Jedoch kann jeder Abschluss extern abgelegt werden und dies ist auch die Regel. Die Kinder bzw. Jugendlichen entscheiden sich aus eigener Motivation heraus für eine bestimmte Abschlussprüfung (Hauptschulabschluß, Mittlere Reife, Abitur). Zusammen mit anderen Mitschülern und den Lernbegleitern bereitet man sich auf die Prüfung vor.  Bei der Prüfungsvorbereitung kann beispielsweise auf Wunsch auch Frontalunterricht abgehalten werden. In der Regel schließen Schüler/innen von Demokratischen Schulen überdurchschnittlich gut ab und zeichnen sich durch hohe Auffassungsgabe und Lernmotivation während der Prüfungsvorbereitung aus. Es gibt kaum Schüler/innen die eine Demokratische Schule ohne einen Schulabschluss verlassen, zumindest nicht mehr wie an einer Regelschule.


8. Finden sich Schüler und Schülerinnen einer Demokratischen Schule später in der
Gesellschaft zurecht?

Ja! Sehr wahrscheinlich sogar besser als manch andere. Schüler einer Demokratischen Schule sind meist selbstbewusste, verantwortungsbewusste und eigenverantwortliche Menschen. Schon sehr früh bekommen die Kinder durch die Schulversammlung ein echtes Gefühl und Verständnis für Demokratie und was es heißt, Mitreden zu können. Der Alltag dieser Kinder ist durchzogen von ständiger Kommunikation, Argumentation und Diskussion. Sie stehen in unentwegtem Austausch mit ihren Mitmenschen.
Kinder an Demokratischen Schulen haben oft einen klaren Weg vor Augen, da sie die komplette Schulzeit über die Gelegenheit haben, sich selbst und was in ihnen steckt kennen zu lernen.


9. Wie lernen die Kinder Lesen, Rechnen und Schreiben?

Indem sie es schlicht und einfach von sich aus lernen wollen. Jedes Kind kommt irgendwann an den Punkt, an dem es die Kulturtechniken erlernen möchte. Wir sind in unserer Welt von Zahlen und Buchstaben umgeben, es bleibt also nicht aus, sich damit zu beschäftigen. Nur eben jeder zu seiner Zeit. Wie die Kinder die Kulturtechniken erlernen ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Manche erschließen es sich selbst, andere lernen von älteren Mitschülern, wieder andere wollen darin unterrichtet werden. Dafür gibt es kein Geheimrezept - jeder lernt auf seine ganz individuelle Weise.  


10. Gibt es feste Lernzeiten für die Kinder?

Nein, grundsätzlich nicht. Jedoch werden auf Wunsch Kurse in den gewünschten Bereichen angeboten. Dann gibt es sehr wohl feste Zeiten, an denen die Kurse stattfinden.


11. Lernen Kinder an einer Demokratischen Schule genug?

Sie lernen das, was sie lernen wollen und was für ihren individuellen Lebensweg wichtig ist. Zur Vorbereitung einer externen Prüfung lernen sie natürlich genau das, was für das Bestehen der Prüfung notwendig ist.


12. Gibt es Hausaufgaben?

Nein. Damit fällt auch das tägliche Schleppen eines schweren Schulranzens weg.


13. Gibt es Unterrichtskurse?

Wenn dies von den Kindern gewünscht wird, werden Kurse angeboten. Jedes Kind hat die Möglichkeit, je nach Vorlieben und Interessen in der Schulversammlung Vorschläge über Kurse und Projekte vorzubringen. Dort wird dann nach den soziokratischen Prinzipien abgestimmt, ob die Vorschläge angenommen werden.
Unsere Schule wird auch in ständigem Austausch mit außerschulischen Einrichtungen sein. Sollte sich ein Schüler beispielsweise für ein bestimmtes Handwerk interessieren, werden wir versuchen, Kontakt zu einem Betrieb herzustellen. In diesem Fall kann die Schulzeit auch außerhalb des Schulgebäudes verbracht werden.


14. Gibt es Regeln an einer Demokratischen Schule?

Ja. Und davon nicht wenige. Es ist ein Irrglaube, dass es an demokratischen Schulen keine Regeln gibt. Im Gegenteil. Eine Gemeinschaft kann ohne Regeln nicht funktionieren. Das Besondere daran ist jedoch, dass die Schüler die Regeln selbst aufstellen. Dies geschieht in der Schulversammlung. Ein/e Schüler/in trägt beispielsweise eine neue Regel vor, und darüber wird nach den soziokratischen Prinzipien abgestimmt. Besteht kein schwerwiegender Einwand mehr, tritt die Regel in Kraft und jeder ist zur Einhaltung verpflichtet. Wird die Regel gebrochen, gibt es dafür auch Konsequenzen. Wie diese Konsequenz dann konkret aussieht, wird dann in einer Runde mit all den Beteiligten kommuniziert, diskutiert und abgestimmt.
Bemerkenswert ist hier, dass die Regeln an Demokratischen Schulen für die Schüler/innen meist mehr Wertigkeit besitzen, da sie ihnen nicht auferlegt wurden, sondern sie selbst an der Aufstellung oder Abschaffung der Regeln beteiligt waren.


15. Was, wenn ein Schüler nicht lernen will?

Jede/r Schüler/in will lernen. Meist ist es jedoch so, dass Kinder, die von einer Regelschule kommen, oft eine gewisse Zeit brauchen und erst einmal längere Zeit „nichts tun“. Die Kinder brauchen oft Erholung von dem Stress, und diese Zeit wird ihnen auch gegeben. Aus der bisherigen Erfahrung an anderen Schulen zeigt sich, dass sich kein Kind dauerhaft dem Schulgeschehen verweigert.
Zur genauen Beantwortung dieser Frage, müssen jedoch noch zwei Begrifflichkeiten in unserem Kontext geklärt werden. Zuerst muss der Begriff des "Lernens" definiert werden. An unserer Schule ist das "formale Lernen" nicht Hauptaugenmerk. An Demokratischen Schulen findet hauptsächlich "informelles Lernen" statt – Lernen in Lebenszusammenhängen. Oft ist für Außenstehende nicht ersichtlich, welche Lernprozesse gerade stattfinden zum Beispiel auf zwischenmenschlicher Ebene. Diese nicht offensichtlichen Lernprozesse gibt es zu genüge.
Dann der Begriff des „Nichtstuns“. „Nichtstun“ betrachten wir als eine Notwendigkeit. Außerdem ist damit wie mit dem informellen Lernen. „Nichtstun“ birgt oft Prozesse, die für das Auge nicht sichtbar sind.


16. Wie sieht ein typischer Tagesablauf einer Demokratischen Schule aus?

Diese Frage ist schwer zu beantworten, da jedes Kind seinen eigenen Interessen in seinem ganz eigenen Tempo nachgehen kann. Feste Bestandteile sind jedoch beispielsweise die Schulversammlung, die einmal die Woche stattfindet. Aber auch da ist die Teilnahme freiwillig.
Meist ist das gemeinsame Mittagessen fester Bestandteil des Tagesablaufes.  


17. Woher wisst ihr, dass das wirklich funktioniert?

Absolventen von Sudbury Valley beweisen seit über 30 Jahren, daß dieses Modell funktioniert. Schüler, die keine Noten, keinen Rang innerhalb der Klasse, und teilweise überhaupt keinen formalen Unterricht haben, werden nach wie vor auf gute Colleges aufgenommen (aufgrund ihrer schriftlichen und persönlichen Vorstellung und, wo nötig, aufgrund ihrer Testergebnisse), sind erfolgreich in ihrer Kurs-Arbeit (oft müssen sie bestimmten Stoff „aufholen“, aber sie haben die Kraft und das Selbstvertrauen, dies leicht zu schaffen), und schlagen verschiedene interessante Karrieren ein. Jene, die sich entschieden haben, nicht aufs College zu gehen (etwa 20%) sind erfolgreiche Künstler, Handwerker, Händler, Musiker und Geschäftsleute geworden. Weiterhin sind Absolventen von Sudbury-Schulen sich klar ausdrückende, verantwortungsbewußte, unvoreingenommene Erwachsene, die – da sie ihre Bildung nie als die Verantwortung eines anderen, sondern als ihre eigene angesehen haben – weiter am Leben beteiligt sind und für den Rest ihres Lebens neue Sachen lernen.
Auch von deutschen Demokratischen Schulen gibt es genügend Abgängerberichte, die dies bestätigen.

 


Eine wichtige Frage fehlt Euch hier noch? Dann schreibt uns bitte kurz info@demokratische-schule-ingolstadt.de